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Leitfaden zur Lederreparatur
Leder ist ein vielseitiges Material, das im Laufe der Zeit Verschleißerscheinungen zeigen kann. Mit den richtigen Techniken und Produkten lassen sich Beschädigungen jedoch professionell reparieren. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du Lederoberflächen wiederherstellst und schützt.
1. Lederarten und deren Besonderheiten
Leder gibt es in verschiedenen Qualitäten und Bearbeitungsstufen. Eine häufig verwendete Art ist Spaltleder.
- Spaltleder: Diese Lederart bleibt nach dem Schleifen stets rau. Um eine glatte Oberfläche zu erreichen, kann eine neutrale Farbe aufgetragen, getrocknet und gefönt werden. Nach dem erneuten Schleifen verhärten sich die Fasern und bieten eine bessere Basis für weitere Bearbeitungsschritte.
2. Reinigung und Vorbereitung
Bevor eine Reparatur durchgeführt wird, muss das Leder gründlich gereinigt werden.
- Lederreiniger Stark: Dieser seifenhaltige Reiniger mit einem pH-Wert von 8 kann Farbe entfernen. Er eignet sich besonders zum Testen und Anmischen von Farbtönen. Die Einwirkzeit sollte jedoch 1 Stunde nicht überschreiten. Nach der Reinigung kann das Leder heller wirken. Falls nötig, kann durch eine leichte Auftragung von Farbverstärker die ursprüngliche Farbintensität wiederhergestellt werden.
- Lederreiniger Mild: Mit einem pH-Wert von 5,5 ist dieser Reiniger sanfter und entfernt weniger Farbe.
- Entfetter: Nach der Reinigung mit Lederreiniger Stark kann ein Entfetter verwendet werden. Dieser hilft, Rückstände zu beseitigen und kann mit einem Heißluftföhn schneller abgelüftet werden. Bei schwarzem Leder kann es zu Streifenbildung kommen – einfach nachpolieren.
- GLD ND: Eignet sich besonders zum Entfernen des Top Coats (Decklack).
3. Versiegelung und Schutz
Nach der Reparatur muss das Leder versiegelt werden, um es vor erneuten Schäden zu schützen.
- Lederversiegelung: Sollte 12-24 Stunden nach der Reparatur mit einem Schwamm aufgetragen werden. Für ein gleichmäßiges Finish kann sie direkt danach mit einer Airbrush-Pistole aufgetragen werden.
- Protector: Kann 48 Stunden nach der Versiegelung angewendet werden. Da die Versiegelung atmungsaktiv bleibt, kann der Protector tief in das Leder eindringen und zusätzlichen Schutz bieten.
4. Farbgebung und Mattierung
Bei der Lederreparatur spielt die richtige Farbgebung eine entscheidende Rolle.
- Farbrad: Farben sollten vor dem Auftragen abgeglichen und nach Möglichkeit komplementär verwendet werden, um ein harmonisches Ergebnis zu erzielen.
- Farbverstärker: Falls das Leder nach der Reinigung oder Reparatur ausgeblichen wirkt, kann ein Farbverstärker aufgetragen werden, um die Tiefe und Sättigung der Farbe wiederherzustellen.
- Mattierung: Falls man unsicher ist, ob eine Farbe zu intensiv erscheint, kann man 5-20 % Mattierungsmittel hinzufügen. Tiefschwarz wird dadurch zu Anthrazit.
- TopCoat Glanz: Kann direkt in die Farbe gemischt werden, um ein glänzenderes Finish zu erzeugen.
5. Kleber und Grundierung
Je nach Art des Schadens können unterschiedliche Kleber und Grundierungen eingesetzt werden.
- RepGlue: Wird verwendet, um Fasern zurückzukleben. Es handelt sich um einen wässrigen Kleber.
- Lederkleber: Ist wasserbasiert, trocknet transparent und kann eingefärbt werden. Ideal für großflächige Verklebungen.
- Grundierung: Bei kleinen Flächen nicht nötig. Bei größeren Flächen (über eine Handfläche) wird eine Grundierung empfohlen.
6. Reparaturmaterialien
Für verschiedene Arten von Schäden gibt es spezifische Reparaturmaterialien.
- Flüssigleder: Trocknet transparent, kann eingefärbt werden, hat eine leichte Glanzwirkung. Lufttrocknung (45-60 Minuten) oder Infrarottrocknung möglich. Schrumpft leicht und ist nicht schleifbar.
- Filler: Ein weißes Reparaturmittel, das sich einfärben lässt. Ideal für Trockenbrüche. Muss 45-60 Minuten an der Luft trocknen und ist anschließend schleifbar.
- Leather & Plastic Paste: Perfekt für punktuelle Schäden wie Löcher. Sie kann eingefärbt und mit einem Spachtel aufgetragen werden. Je nach Schichtdicke benötigt sie Hitze (Föhn oder Prägepad). Temperaturvorgaben: Leder 230°C, Kunstleder 130°C.
7. Vernetzer
Für eine bessere Haftung und Widerstandsfähigkeit kann ein Vernetzer hinzugefügt werden:
- Leder: 2%
- Kunstleder: 5%
- Hartplastik: 8%
- Eine Konzentration über 10 % führt dazu, dass das Material klebrig bleibt. Die Mischung muss innerhalb von 4 Stunden verarbeitet werden.
8. Spezialprobleme und Lösungen
Jeansverfärbung entfernen
- GLD ND mit einem Lappen auftragen, um die Poren zu öffnen.
- Mit Lederreiniger Stark und einer Bürste nacharbeiten, um die Verfärbung zu lösen.
- Anschließend die Oberfläche abwischen. Der Vorgang kann wiederholt werden, bis das Leder wieder sauber ist.
Leder weich machen
- Altleder Softener: Vor der Anwendung das Leder gründlich reinigen. Mehrmals auftragen und einziehen lassen. Danach das Leder massieren, um es geschmeidig zu machen. Bis zu 5-6 Wiederholungen notwendig.
- Licker Oil: Ein Konzentrat, das mit 20 % lauwarmem Wasser verdünnt wird, um tief in das Leder einzudringen und es zu nähren.
Druckstellen entfernen (z. B. durch Kindersitz)
- Mit einem Heißluftföhn großflächig erwärmen, um das Leder zu entspannen.
- Temperatur mit der Hand kontrollieren.
- Danach mit einem Kühleisen und der runden Seite verstreichen, um die Fasern zu glätten.
- Falls notwendig, erneut wiederholen.
Prägematrize anfertigen
- Hälfte der Kartusche ausdrucken, Folie auflegen, Rand dünn verstreichen.
- Föhnen: Leder 230°C, Kunstleder 130°C für 1-2 Minuten.
- Kühleisen auflegen, Folie entfernen und Prägung vorsichtig ablösen.
Kratzer entfernen (z. B. durch Zollstock)
- Leder reinigen, mit GLD ND den Top Coat entfernen.
- Fasern mit einem Spachtel aufstellen.
- RepGlue auftragen und Fasern flach anlegen.
- Prägen (30 Sekunden), um die Struktur wiederherzustellen.
- Leather & Plastic Paste dünn mit einem Spachtel auftragen, Ränder säubern.
- Mit einem Föhn auf 400°C föhnen (mindestens 30 Sekunden).
- Top-Coat Matt mit 2 % Vernetzer auftragen, im Kreuzgang arbeiten.
- Mit 4000er Polierpad bearbeiten (wird weißlich, dann mit einem Tuch nachwischen).